Inhalt

I. Inhaltliche Ergebnisse

II. Lernziele und Wirkung

III. Evaluierung der Fachveranstaltung


I. Inhaltliche Ergebnisse


Die Debatte ist alt. Schon seit Jahrzehnten wird der demokratische Gehalt der EU in der Fach-
welt und in der Öffentlichkeit intensiv diskutiert. Eine Debatte, die durch die Ablehnung aller
Spitzenkandidat/innen für das Amt der Präsidentschaft der Europäischen Kommission durch
den Europäischen Rat nach der Wahl neue Nahrung bekommen hat.


Die Fachtagung 2019 des Europabüros, die am 3. und 4. Dezember in Brüssel stattfand, nahm
sich des Themas an. Unter dem Titel „Partizipation und Demokratie nach der Europawahl:
Aufgaben für die politische Bildung“ setzten sich 20 Fachkräfte der Jugend und Erwachse-
nenbildung aus Deutschland und Österreich mit der Frage auseinander welchen Beitrag die
politische Bildung vor dem Hintergrund der allgemeinen Enttäuschung nach der Wahl zur Stär-
kung der EUDemokratie leisten kann.


Die Bürger/innen hätten immer mehr den Eindruck bei Wahlen nur zwischen Personen wählen
zu können, ohne die Möglichkeit zu haben damit auch eine andere Politik bewirken zu können.
Leider sei dieser Eindruck korrekt, erläuterte Dr. Cornelia Stratulat vom European Policy
Centre, einem außeruniversitären Forschungsinstitut. Ursachen seien die Globalisierung und
die Dominanz der Märkte. Dr. Johan Adriaensen von der Universität Maastricht erklärte die
verschiedenen Krisen der letzten Jahre hätten die EU näher zusammenrücken lassen und
damit gestärkt. Die großen gemeinsamen Herausforderungen wie der BREXIT, die Migration,
der Klimawandel oder die Konflikte zwischen den USA und China vereine die Gemeinschaft.
Die Dominanz der nationalen Regierungen in der EU sei gerechtfertigt, da sich die Mehrheit
der Menschen nach wie vor in erster Linie als Bürger/innen ihrer Länder fühle.


Voraussetzung für Demokratie ist aktive Bürgerbeteiligung. Aktive Bürgerbeteiligung aber ist
oft gar nicht so einfach und braucht Schützenhilfe durch Bildung. Als vielversprechende Me-
thode abstrakte politische Prozesse erfahrbar zu machen, diskutierten die Teilnehmenden An-
sätze der „Gamification“ in der politischen Bildung. Insbesondere die Methode politischer Plan-
spiele rückte dabei in den Fokus.


Alle Menschen, Jung und Alt, besäßen einen natürlichen Spieltrieb erläuterte Thorsten
Gonska, Leiter der Abteilung politische Bildung an der Akademie Klausenhof in Hamminkeln.
Gleichzeitig könnten Spielen Wissen auf sehr einprägsame Weise vermitteln. Die Anpassung
spielerischer Ansätze an die Zielgruppe bedürfe jedoch besonderer Aufmerksamkeit. Ein un-
reflektierter Einsatz derartiger Methoden führe zu Enttäuschung und Abnutzung. MärtheMaria
Stamer von der Universität Göttingen betonte das Angebot für alle gebe es nicht. Das Publi-
kum sei heterogen.


Ein besonderes Highlight der Fachtagung 2019 stellte die Erprobung eines politischen Plan-
spiels dar. Für mehrere Stunden schlüpften die Teilnehmenden in die Rolle von Vertretern der
Regierungen der EUMitgliedstaaten und verhandelten drei Gesetzesvorschläge der Europäi-
schen Kommission.


In der Abschlussbesprechung stellten die Teilnehmenden fest innovative, spielerische Ansätze
besäßen ein großes Potential Interesse an Politik zu wecken und für die Schwierigkeiten poli-
tischer Kompromissfindung zu sensibilisieren. Der Einsatz in der politischen Bildung sei sehr
empfehlenswert und könne einen zentralen Beitrag zur Stärkung der Demokratie leisten.


II. Kenntnisstände der Teilnehmenden

Die Verbesserung der Kenntnisstände der teilnehmenden Fachkräfte war eines der Hauptziele
des Projektes. Durch die Teilnahme an der Weiterbildung wurde eine Verbesserung der Kennt-
nisstände entlang von vier Dimensionen angestrebt:


1.
Verständnis der aktuellen politischen Situation der EU
2.
Kenntnisse des Diskussionsstandes zum Thema Demokratie und EU
3.
Kenntnisse der Theorie und Anwendung politischer Planspiele zur EU
4.
Positionierung zu der Frage welchen Beitrag die politische Bildung zur Demo-
kratie in der EU leisten kann


Wie im Antrag angekündigt erfolgte die Bewertung der Lernergebnisse der Kursteilnehmer*in-
nen mittels Fragebögen zur Selbsteinschätzung. Die Teilnehmer*innen erhielten diese Frage-
bögen vor und nach der Fortbildung. Verbesserungen der Selbsteinschätzungen der Teilneh-
menden ist ein wichtiger Indi
kator für Verbesserungen der Fertigkeiten und Kompetenzen.


Die vor und nach der Weiterbildung durchgeführten Befragungen zu den Kenntnisständen der
Fachkräfte zeigen deutliche Verbesserungen. Vor der Veranstaltung gaben 70% der Teilneh-
menden an sie hätten ein mittleres bis geringes Verständnis der aktuellen politischen Situation
der EU. Nach der Weiterbildung trauten sich 80% ein gutes bis sehr gutes Verständnisniveau
zu. Vor der Fortbildung gaben 65% der Fachkräfte mittlere bis geringe Kenntnisse des Diskus-
sionsstandes zum Thema EU und Demokratie an. Nach der Weiterbildung erklärten 70% sie
besäßen ein gutes bis sehr gutes Kenntnisniveau. Deutliche Verbesserungen gab es auch bei
den Kenntnissen zu Theorie und Anwendung politischer Planspiele zur EU. Vor der Veranstal-
tung gaben 90% der teilnehmenden Fachkräfte an auf diesem Gebiet mittlere bis geringe
Kenntnisse zu besitzen. Nach der Weiterbildung erklärten 85% sie verfügten über ein gutes
bis sehr gutes Kenntnisniveau zum Thema. Vor der Fortbildung gaben 65% der Teilnehmen-
den an eine mittlere bis schlecht differenzierte Position zu der Frage zu besitzen welchen Bei-
trag die politische Bildung für mehr Demokratie in der EU leisten können. Nach der Weiterbil-
dung erklärten 85% der teilnehmenden Fachkräfte in dieser Frage ein gut bis sehr gut diffe-
renzierte Position zu besitzen.


Der Veranstaltungsleiter führte parallel zur Durchführung der Weiterbildung eine semi struk-
turierte teilnehmende Beobachtung des Kursverlaufs und der Lernfortschritte der Teilnehmer/
innen und fixierte diese schriftlich. Der Veranstaltungsleiter verglich die Bewertungen der Teil-
nehmer*innen mit den eigenen und verfasste anhand dessen einen Evaluationsbericht. Dabei
wurden Kenntnisverbesserungen entlang folgender Dimensionen festgestellt:


Kenntnis des Diskussionsstandes zur Partizipation und Demokratie in der EU

Vertiefte Kenntnisse zu Methoden und Lehrformaten der europapolitischen Bildung

Transfer zur eigenen Arbeit: Entwicklung von Konzepten für neue Bildungsveranstaltungen

Kenntnisse der Arbeit und der Einrichtungen der anderen Teilnehmenden der Fortbildung


Bei den Teilnehmenden war aufgrund der Absolvierung der Weiterbildung eine gesteigerte
Motivation, als Multiplikatoren der Europavermittlung zu agieren und Bildungsveranstaltungen
zur europapolitischen Bildung durchzuführen feststellbar.


Zudem waren deutliche Verbesserungen der Kenntnisse und Fähigkeiten, die dazu notwendig
sind, um entsprechende Veranstaltungen kompetent durchführen zu können, zu verzeichnen.

Bei den Mitgliedsorganisationen ist in Folge der verbesserten Kompetenzen der Fachkräfte
eine Stärkung des Angebots qualitativ hochwertiger Bildungsangebote feststellbar. Vom 02.
Juli bis zum 8. August fand im Haus am Maiberg unter der Leitung von Michaela Jacobs eine
europäische Jugendbegegnung mit 40 Teilnehmenden zum Thema Verstehen und Partizipie-
ren am demokratischen Prozess statt. Die KEB MünchenFreising konnte mit Unterstützung
des Europabüros eine Erasmus+ Akkreditierung für den Bereich Erwachsenenbildung erhal-
ten. In den nächsten Jahren wird die KEBMünchenFreising zahlreiche Fachkräfteschulun-
gen in Europa durchführen

Der hier dargestellten strukturierten Fortbildung für Fachkräfte der Erwachsenenbildung ging
eine europäische Fortbildung für Fachkräfte der Jugendarbeit, die im Jahr davor stattfand, vo-
raus. Beide Veranstaltungen waren zentrale Bestandteile des Europäischen Entwicklungs-
plans der Partnerorganisationen und wurden mit dem Ziel durchgeführt Impulse für eine dau-
erhafte Stärkung der fachlichen Zusammenarbeit in den Bereich EU und Europa, Transnatio-
nalisierung und Internationale Bildung zu setzen.


In Folge der Fachkräfteschulungen war in den letzten Jahren eine steigende Nachfrage ge-
genüber unseren Organisationen aus den Reihen der Mitglieder nach Schulungsangeboten
zum Thema EUFörderung für transnationale Projekte zu verzeichnen. Im Jahr 2021 fanden
drei OnlineSeminare zur Arbeit mit dem Erasmus+ Programm statt an denen insgesamt 43
Fachkräfte teilnahmen. Für das kommende Jahr sind mindestens fünf Schulungsveranstaltun-
gen zu diesem Thema geplant.


III. Evaluierung der Fachveranstaltung


Gegen Ende der Veranstaltung fand eine Abschlussreflexion statt. Dazu wurde die soziomet-
rische Methode der Positionierung im Tagungsraum eingesetzt. Dabei zeigten sich die Teil-
nehmenden überwiegend bis sehr zufrieden mit der Weiterbildung. Besonders gelobt wurden
folgende Inhalte der Fachveranstaltung: 1. das Expertengespräch mit zwei Politikwissen-
schaftler*innen zum Stand der Demokratie in der EU nach der Europawahl. 2. Der Markt der
Möglichkeiten mit der Fortstellung verschiedener Projekte guter Praxis. 3. Der Vortrag zur An-
wendung von Planspielen in der EUBildung, 4. Die Erprobung eines Planspiels zum Thema
EU. Darüber hinaus wurden die zur Verfügung stehenden Lehrmaterialien sehr gelobt. Zent-
rale Verbesserungsvorschläge betrafen vor allem logistische Fragen wie das Tagungsge-
bäude, die Unterbringung und der Weg von und zum Hotel. Darüber hinaus äußerten einige
Teilnehmende den Wunsch zukünftig die verschiedenen Elemente des Seminars noch stärker
zu verknüpfen und mehr partizipative Methoden anzuwenden.



Florian Sanden, Brüssel den 22.11.201