Education and Training 2020: Orientierungsaussprache des EU-Bildungsministerrates

Die wichtigsten Schlussfolgerungen der Ministerdebatte:

  • Die vier Ziele von ET 2020 bleiben weiterhin relevant für alle Mitgliedsstaaten

  • Eine effizientere Nutzung der zur Verfügung stehenden Mittel wie Erasmus + und die Jugendgarantie sowie der kürzlich vorgeschlagene Investitionsplan für Europa wird angestrebt

  • Der Austausch von Best-Practise Beispielen in der beruflichen Bildung wurden speziell von Ost- und Südeuropäischen Ländern gefordert

  • Bildung hat einen Eigenwert und kann nicht nur als Instrument zur Beschäftigungsfähigkeit gesehen werden. Es sollte auch  die Förderung der persönlichen Entwicklung,  des kritischen Denkens und der aktive Bürgerschaft beinhalten. In diesem Zusammenhang betonten die Minister die Bedeutung der Gewährleistung konkreter Folgemaßnahmen auf die Erklärung beim informellen Treffen im März in Paris gegen Radikalisierung und Diskriminierung

  • Im Anschluss an den EPSCO-Rat im Dezember 2014 wurde die engere Zusammenarbeit zwischen der allgemeinen und beruflichen Bildung sowie der Beschäftigungspolitik bekräftigt

Dem strategischen Rahmen für die europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung "Education and Training 2020" (im Folgenden "ET 2020") liegen vier strategische Ziele zugrunde:

  1. Lebenslanges Lernen und Mobilität als Realität,

  2. Verbesserung der Qualität und der Effizienz der allgemeinen und beruflichen Bildung,

  3. Förderung von Gerechtigkeit, sozialem Zusammenhalt und aktiver Bürgerschaft und

  4. Förderung von Kreativität und Innovation –einschließlich unternehmerischen Denkens –auf allen Ebenen der allgemeinen und beruflichen Bildung.


ET 2020 wurde im Mai 2009 erlassen. 2015 wurde eine Halbzeitbewertung des ET 2020 durchgeführt, die die Ausarbeitung nationaler Berichte, eine externe Evaluierung, das jährliche Europäische Forum für allgemeine und berufliche Bildung und Jugend, Beratungen in Sitzungen der Hochrangigen Gruppe für allgemeine und berufliche Bildung und der Generaldirektoren sowie Konsultationen mit den europäischen Sozialpartnern umfasste.

Der Rat (Bildung, Jugend, Kultur und Sport) hat die Mitgliedstaaten und die Kommission im Februar 2014 aufgefordert die Leistungsfähigkeit des ET 2020 zu erhöhen, da es sich um den wichtigsten Rahmen auf EU-Ebene handelt, wenn es darum geht, die Mitgliedstaaten bei der Modernisierung ihrer Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung zu unterstützen und so einen Beitrag zur Verwirklichung der generellen politischen Prioritäten der EU-Strategie für Beschäftigung, Wachstum und Investitionen "Europa 2020" zu leisten, die in Bezug auf Bildung ein zweifaches Kernziel verfolgt, nämlich zum einen die Schulabbrecherquoten auf unter 10% zu senken und zum anderen dafür zu sorgen, dass mindestens 40% der 30-bis 34-Jährigen einen Hochschulabschluss oder einen gleichwertigen Bildungsabschluss erworben haben

Der lettische Vorsitz des Rates hat vor diesem politischen Hintergrund 3 Fragen zur Diskussion vorgeschlagen, mit dem Ziel, einen maßgeblichen Beitrag zur Ausarbeitung des Entwurfs eines gemeinsamen Berichts 2015 zu leisten, so dass dieser Bericht im November 2015 vom Rat angenommen werden kann. Nachfolgend die 3 Fragen:

  1. Der strategische Rahmen "ET 2020": Bedeutung, strategische Ziele und prioritäre Bereiche.

  2. Der strategische Rahmen "ET 2020": Steuerungsmechanismen und Arbeitszyklen

  3. Der strategische Rahmen "ET 2020" als Teil der Gesamtagenda der EU für Beschäftigung, Wachstum und Investitionen

Nach Ansicht des EU-Kommissars Tibor Navracscics müsse ET 2020 stärker operationalisiert  werden und stärker priorisieren. Seiner Auffassung nach müssten dies grundlegende Fähigkeiten und Kompetenzen sein wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Vor allem im Sinne des Lebenslangen Lernens müssten digitale Kompetenzen prioritär verbessert werden. Als dritten Punkt nannte er die sozioökonomischen und soziokulturellen Ungleichheiten. Der Teufelskreis zwischen sozialer Herkunft und dem damit verbundenen Bildungsniveaus müsse unterbrochen werden. Aufgrund der Pariser-Erklärung im März 2015 zur Förderung von staatsbürgerlicher Bildung und gemeinsamen Werten wie Freiheit Toleranz und Nichtdiskriminierung werde in Zukunft verstärkt zusammengearbeitet werden.

Deutschland machte explizit klar, dass die operative Verantwortung der ET 2020 Ziele bei den Mitgliedsstaaten in der Verantwortung liegen. Frau Löhrmann unterstrich abermals, dass Bildung ein Eigenwert an sich darstelle, daneben habe Bildung sozialpolitische, wirtschaftspolitische und integrativpolitische Ebenen. Im Bereich der beruflichen Bildung verwies Frau Löhrmann auf die neu geschlossene deutsche Allianz für Aus- und Weiterbildung zwischen Wirtschaft, Bund, Ländern und Gewerkschaften

Erwachsenenbildung: Litauen und Polen sprachen die Herausforderungen in der Erwachsenenbildung an. Gerade die Medienkompetenz und die digitalen Fähigkeiten müssten bei Erwachsenen ausgebaut werden. In Zeiten von Radikalisierungstendenzen dürften mögliche Zielvorhaben nicht nur an Jugendliche sondern auch an Erwachsenenbildung adressiert werden. Hürden zwischen der formalen und non-formalen Bildung müssten abgebaut und die Zusammenarbeit zwischen den Generaldirektionen für Bildung und Beschäftigung gestärkt werden.