EU-Jugendrat: Orientierungsaussprache zur Rolle der Jugendpolitik und Jugendarbeit im Kontext der Migration

 In den letzten Monaten gab es Migrationsströme nach Europa, die ein seit dem Ende des Zweiten Weltkrieg nicht mehr verzeichnetes Ausmaß erreicht haben. Laut Eurostat waren von den 689 000 Personen, die in diesem Jahr (bis August) in den Ländern der EU förmlich Asyl beantragt haben, 81 % jünger als 35; mehr als die Hälfte (55 %) waren im Alter zwischen 18 und 34. Die Europäische Union muss sich dieser Herausforderung stellen und Lösungen finden, um mit dieser Situation umzugehen. Der Jugendsektor kann in dieser Hinsicht eine wichtige Rolle dabei spielen, junge Migranten bei ihrem Integrationsprozess zu begleiten, indem er interkulturelles Verständnis zwischen Einheimischen und Migranten fördert. Hierbei wird der interkulturelle Dialog und die Rolle von Religion, sowie Jugendarbeit, inklusive Jugendarbeit wie auch die politische Bildung hervorgehoben. Sehr empfehlenswert ist die Zusammenstellung von Best-Practise Beispielen aus den EU-Ländern

Interkultureller Dialog

In dem Diskussionspapier spricht man sich für die Förderung von Integration und dem interkulturellen Dialog aus. In dieser Hinsicht sei es wichtig, auch kulturelle sowie religiöse Überzeugungen und Gepflogenheiten zu berücksichtigen. Die Religion scheint zwar manchmal einen Keil zwischen verschiedene Gemeinschaften zu treiben, doch kann sie auch ein wichtiger Teil der Identität der Personen sein. Ein offener Austausch über religiöse Überzeugungen ist daher von großer Bedeutung.

Jugendarbeit als Instrument

Jugendarbeit findet zumeist in Gemeinschaften auf lokaler Ebene statt und ist ein wichtiges Instru-ment für Integration und interkulturellen Dialog. Durch verschiedene, an die Bedürfnisse junger Menschen angepasste Methoden des nicht-formalen Lernens und des Peer-Learnings ist die Jugend-arbeit in der Lage, Brücken zwischen jungen Einheimischen und jungen Menschen mit anderem kulturellem Hintergrund zu bauen. Inklusive Jugendarbeit stärkt nicht nur die Identität und das Bewusstsein für die eigene Kultur, sondern hilft darüber hinaus auch beim Entwickeln von Kompetenzen auf dem Gebiet der Konfliktprävention. Gleichzeitig kann die Jugendarbeit auch Brücken zu lokalen Akteuren wie Kommunalbehörden, Schulen, Jugendorganisationen und Sportorganisationen bauen, die wichtige Akteure im Sozial-leben junger Menschen mit Migrationshintergrund darstellen.

Inklusive Jugendarbeit

Um das interkulturelle Mandat des Jugendsektors auszubauen, muss die Jugendpolitik gewähr-leisten, dass die Jugendarbeit und die Einrichtungen für nicht-formales Lernen ebenso wie die ent-sprechende Methodik und Praxis so strukturiert sind, dass sie ein breites Spektrum junger Menschen und Lernender mit unterschiedlichem kulturellem, sprachlichem, religiösem und Migrations-hintergrund ansprechen. In diesem Sinne ist die inklusive Jugendarbeit offen für neue kulturelle Bezüge, Ansätze und (gemischte) Interpretationen. Im Rahmen der Jugendarbeit muss der Jugendsektor auch wirksame Strategien für die Online-Kommunikation mit jungen Menschen ermitteln und entwickeln.

Politische Bildung

Die Integration junger Menschen mit Migrationshintergrund kann durch verstärkte politische Bildung im Rahmen der formalen Bildung und des nicht-formalen Lernens gefördert werden, indem junge Menschen angeregt werden, bereits in jungen Jahren über gemeinsame Werte nachzudenken. Der Jugendsektor kann eine wichtige Rolle bei der Entwicklung und Umsetzung von Programmen zur politischen Bildung spielen, die gleichermaßen auf junge Einheimische wie auf junge Migranten ausgerichtet sind. Das Konzept der Bürgerschaft muss daher auf die Vorstellung einer "kosmo-politischen Bürgerschaft" erweitert werden, bei der nicht mehr eine bestimmte Kultur oder eine bestimmte Sicht der Geschichte im Mittelpunkt stehen, sondern ein vorausschauendes Konzept der Bürgerschaft, das verschiedenen Kulturen und Überzeugungen Platz bietet und Menschen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund die Möglichkeit gibt, am politischen Leben einer Gesellschaft teilzunehmen.

In dem Diskussionspapier heißt es abschließend: "Wenn die Integration einer beträchtlichen Anzahl von Migranten in Europa gelingen soll, brauchen sie schließlich auch eine Perspektive, die ihnen erlaubt, eine sinnvolle Zukunft für sich zu sehen."

Diskussionspapier Jugend und Migration

Best Practise Beispiele von EU-Ländern